April 26, 2024

scharren und kicken mit dem vorderbein – wie kriegt man das weg?

es gibt pferde, die scharren mit dem vorderbein, wenn sie länger wo ruhig stehen sollten.
manche kicken sogar nach vorne weg.
was ganz schön gefährlich werden kann!

dahinter können verschiedene ursachen stecken:

ursachen

der eigentliche kern des verhaltens ist ungeduld.
manchmal kommt noch frustration dazu, wenn ein pferd etwas nicht erreichen kann,
was es gerne hätte.

besonders oft kann man das scharren daher kurz vor der kraftfuttergabe beobachen,
wenn die pferde schon wissen oder hören, dass futter im anmarsch ist,
aber noch etwas warten müssen.
die ungeduld entlädt sich dann im scharren oder mit dem vorderfuß gegen boxenwand oder stalltür schlagen.

allerdings ist das nicht der einzige grund fürs scharren und kicken.
wenn das pferd nämlich in anderen situation festgestellt hat,
dass scharren oder bewegungen des vorderbeins zum ziel führen,
dann setzt es die strategie auch öfter ein, um etwas zu erreichen.

das passiert zum beispiel, wenn die lektion spanischer schritt als kunststück aufgebaut wurde,
aber nicht korrekt unter signalkontrolle gebracht wurde
(also nur noch dann ausgeführt wird, wenn der mensch das signal dafür gibt).
auch andere tricks, bei denen die vorderbeine ins spiel kommen, können einen gleichen effekt haben.

das pferd wurde beim erlernen des kunststücks für die aktion der vorderbeine ja belohnt.
nun setzt es die gelernte bewegung ein, um sich damit wie gewohnt etwas zu verdienen.

die belohnung lässt in der regel nicht lange auf sich warten:
aufmerksamkeit vom menschen.

aufmerksamkeit als belohnung

fürs pferd stellt jede form von aufmerksamkeit eine belohnung dar
und bestätigt damit sein verhalten.

ruft man also dem ungeduldig scharrenden pferd zu „hör auf, ich komm ja schon“,
dann hat man das scharren damit schon belohnt.

kickt das pferd beim angebunden dastehen mit dem vorderbein
und man quittiert das mit einem „schluss damit“.
dann hat man das kicken schon belohnt.

selbst deutlichere strafen wie ein klaps sind eine form von aufmerksamkeit
und können damit als belohnung fehlinterpretiert werden.

oft wird erst dadurch das scharren oder kicken beim pferd zur richtigen marotte.
es hat einfach gelernt, sich damit zuspruch und aufmerksamkeit vom menschen zu organisieren.
vielleicht beeilt sich der sogar, den futtertrog nur schnell genug zu füllen,
damit das scharren endlich aufhört – was die maximale belohnung fürs scharren ist.

gegenstrategie

auf sich beruhen lassen, kann man das ganze nicht.
ufert das scharren aus, schleift sich das pferd dabei die vordere hufwand ab.
das kicken kann den menschen treffen oder die stalltür beschädigen.

dem pferd selber tut man auch nichts gutes,
wenn man zulässt, dass es sich in seinen frust reinsteigert
oder dass es exzessives aufmerksamkeitsheischendes verhalten entwickelt.

was also tun?

entspringt das verhalten nur der ungeduld oder dem frust in bestimmten situationen (wie der fütterung),
ist es am einfachsten, die gewohnten abläufe zu durchbrechen.
wenn man den zeitpunkt und die einzelnen handlungsschritte davor zu abwandelt,
dass das pferd gar nicht mehr erkennen kann, dass nun gleich xy kommt,
kann man ihm zumindest den größten teil der erwartung und ungeduld ersparen.

geht das nicht, dann muss man peinlich genau darauf achten,
dass das pferd nicht fürs scharren oder kicken noch dadurch belohnt wird,
dass man sich beeilt, ihm schneller das gewünschte vorzusetzen
oder mit etwas aufzuhören, was das pferd nicht mag.

sprich: das pferd darf mit dem scharren und kicken keinen erfolg haben.

besonders gilt das für die pferde, die sich dieses verhalten angewöhnt haben,
um die aufmerksamkeit des menschen auf sich zu ziehen.
die muss ausbleiben!

noch besser: das pferd soll mit seinem gescharre nur erreichen,
dass daraufhin die aufmerksamkeit des menschen abgezogen wird.

statt das pferd also zu ermahnen oder zu schimpfen,
statt hinzugehen und es zu beruhigen,
dreht man sich am besten um und geht weg.
man entzieht dem pferd die aufmerksamkeit so lange,
bis es wieder ruhig steht.

weggehen wäre natürlich verkehrt, wenn das pferd genau das erreichen will.
wenn es zum beispiel die hufe nicht hergeben will und deswegen mit dem vorderbein rummacht.
doch das ist dann ein anderes thema, das wir hier schon mal behandelt haben.

 

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