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by brigid

März 23, 2025

aufmerksamkeit hund

aufmerksamkeit vom hund zu erhalten,  wenn nichts los ist, geht leicht.
ganz anders sieht die sache aus, wenn ablenkungen ins spiel kommen.

ablenkung heißt ja nichts anderes als „lenken der aufmerksamkeit auf etwas anderes“.
das kann alles sein, was das interesse des hundes erweckt.
in der regel sindes alle dinge, die überraschend, neu oder für den hund wichtig sind.

andere hunde, spannende gerüche, bewegungen oder geräusche ….
als ablenkung kann so ziemlich alles wirken.

klar ist das erst mal spannender als der eigene mensch.
man darf sich daher nicht erwarten, dass der hund automatisch immer ansprechbar ist
und immer aufmerksamkeit zur verfügung hat.

die ist vielmehr teil der grundlagen, die man mit dem hund aufbauen muss.
und dazu hab ich heute 5 tipps für euch:

1. freiwillige aufmerksamkeit

jeder moment, wo der hund einen freiwillig und unaufgefordert seine aufmerksamkeit zukommen lässt,
obwohl es rundum auch interessante dinge in wald und wiese gibt, ist wie ein geschenk.

was macht man nun, wenn man ein geschenk erhält?
man bedankt sich und erwidert es vielleicht sogar.

auf den hund übertragen heißt das: wir bestätigen ihn für die freiwillige aufmerksamkeit.
ob das ein leises „fein“, ein freundliches nicken oder ein belohnungshappen ist, zählt weniger
als die tatsache, dass überhaupt etwas von uns kommt.

der hund darf nicht ins leere laufen, wenn er uns seine aufmerksamkeit zuwendet.
sonst lässt er das nämlich sehr rasch bleiben und ist später auch weniger bereit,
die aufmerksamkeit auf unsere aufforderung herzugeben.

halte also ausschau nach den – meist sehr kurzen – augenblicken, wo dein hund dir freiwillig einen blick zuwirft oder sich dir zuwendet und bestätige ihn dafür.

2. aufmerksamkeitssignal

die momente, wo der hund uns freiwillig aufmerksamkeit schenkt, und wo wir sie von ihm brauchen würden,
sind klarerweise nicht deckungsgleich.

wenn eine ablenkung auftaucht, sollte es uns (nach einigem üben) aber möglich sein,
die aufmerksamkeit des hundes anzufragen.

was oft falsch läuft: wir sprechen den hund einfach mit dem namen oder irgendwie sonst an,
wenn ein anderer hund kommt oder er etwas im gebüsch entdeckt hat.
darauf reagiert er aber kaum oder gar  nicht.

was eigentlich logisch ist.
denn wir haben das nicht mit ihm als signal geübt.

so wie wir dem hund das wort „sitz“ für hinsetzen oder „platz“ für hinlegen erst mal beibringen müssen,
muss der hund auch erst lernen, dass ein bestimmtes wort oder schnalzgeräusch bedeutet,
dass er sich uns zuwenden und uns seine aufmerksamkeit geben soll.

ohne ein vernünftig aufgebautes aufmerksamkeitssignal geht es daher nicht.
wer noch keins hat (oder es neu aufbauen möchte, damit man ein verlässlich funktionierendes hat),
kann das mit der kostenlosen 14-tägigen „aufgepasst-challenge“ tun, zu der du dich gleich hier anmelden kannst:

    3. ablenkungs skala

    ablenkung ist nicht gleich ablenkung.
    da gibt es manche, die sind mäßig interessant für den hund und andere, die er hochgradig aufregend findet.

    wir können nicht davon ausgehen, dass er mit ein bisschen üben bei allen gleichermaßen ansprechbar ist.
    vielmehr müssen wir der reihe nach verschiedene ablenkungen üben.

    egal ob rückruf, aufmerksamkeitssignal, leinegehen oder sonst irgendein aufgabe,
    der hund lernt jede zuerst in ruhiger umgebung mit ganz wenig ablenkung.

    hat er mal verstanden, worum es geht, ist das signal aber noch lange nicht alltagstauglich.
    man muss es erst mal mit unterschiedlichen ablenkungen festigen.

    dazu macht es sinn, für den jeweiligen hund die „ablenkungs-skala“ zu erstellen
    und die dann der reihe nach einzuüben.

    man schaut dafür, welche ablenkungen der hund
    – leicht und gering ablenkend
    – mittel und ziemlich interessant
    – schwer und total fesselnd
    findet.

    dann übt man sein jeweiliges signal erst mit ein paar leichten, dann den mittleren und erst, wenn alles wirklich gut klappt, auch mit den schweren ablenkungen.

    kleiner profi-tipp: schwierigere ablenkungen als nötig üben, damit die schweren im alltag auch tatsächlich klappen.

    4. weniger wollen

    es klingt paradox:
    wenn wir die aufmerksamkeit des hundes bekommen wollen,
    selbst dann, wenn ablenkungen auftauchen könnten,
    dann sollen wir „weniger wollen“?

    viele hunde empfinden häufige aufforderungen oder viel reden vom menschen als anstrengend
    und neigen dann dazu, dass sie abschalten.
    sie werden weniger ansprechbar und ignorieren uns mehr,
    was dazu führt, dass der mensch sich erst recht um die aufmerksamkeit des hundes bemüht und noch fordernder wird.

    wenn wir uns hingegen zurücknehmen, „leiser“ werden, weniger oft was wollen und weniger text auf den hund einströmen lassen,
    könnten wir eine überraschung erleben.
    denn plötzlich wird der hund neugierig und findet seinen menschlichen partner viel angenehmer und einladender.
    bingo!

    5. grundproblem stress

    alles üben und alle tipps für aufmerksamkeit bringen wenig,
    wenn der hund gar nicht in der lage ist, seine aufmerksam gezielt zu verteilen und sich auf den menschen zu fokussieren.

    je höher der erregungspegel des hundes steigt, desto weniger ansprechbar wird er.
    nicht, weil er nicht will, sondern weil er nicht mehr kann.

    das nervensystem ist überreizt, die wahrnehmung des hundes verengt auf das, was ihn gerade triggert –
    und der mensch ist abgemeldet.

    in den allermeisten fällen ist mangelnde aufmerksamkeit des hundes gar nicht so sehr eine frage der (mangelnden) erziehung,
    sondern vielmehr eine frage der stressbelastung.

    geht man das grundproblem an und kümmert sich um stressabbau, wird der hund ganz von selber wieder aufmerksamer.
    der erste schritt muss daher immer das überprüfen des erregungspegel und der fokus auf ruhe reinbringen sein.
    (der beste kurs dazu: „cooler hund“)

    fazit

    wir dürfen uns nicht erwarten, dass der hund automatisch mit ablenkungen umgehen und auf uns aufmerksam sein kann,
    nur weil wir seine bezugspersonen sind.

    vielmehr sind die aufmerksamkeit ganz allgemein und der umgang mit ablenkungen etwas, was der hund erst lernen und üben muss.
    das wiederum ist unser job.

    bevor man vom hund aufmerksamkeit verlangt oder sie mit ihm üben möchte, muss man sich immer fragen,
    ob er überhaupt kann – ob er überhaupt lernen kann, ob er überhaupt aufmerksam sein kann.

    über die autorin 

    brigid

    brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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